Zertifizierung als Bekannter Versender

In Folge der Anschläge des elften September 2001 wurden in der Luftfahrt zunächst die Sicherheits­bestimmungen im Passagierbereich drastisch verschärft. Spätestens seit dem Fund von Paketbomben in Luftfracht aus dem Jemen werden auch die Sicherheits­anforderungen im Frachtbereich immer strenger.

Durch umfangreiche Sicherungsmaßnahmen soll eine durchgehend sichere Lieferkette für Luftfracht gewährleist werden, die gegen unbefugte Zugriffe durch Dritte geschützt ist.

Was ist ein "Bekannter Versender"?

Diesen Status vergibt das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) Unternehmen, die „sichere Luftfracht“ versenden möchten, also meist produzierende oder versendende Unternehmen.

Bisher reichte die Abgabe einer formlosen Sicherheitserklärung gegenüber dem „reglementierten Beauftragten“ (s.u.), also dem transportierenden Luftfrachtunternehmen bzw. der Luftfracht-Spedition.

Ab dem 28. April 2013 jedoch müssen Unter­nehmen validiert und vom LBA zugelassen sein, was diverse Anträge, Prüfungen und Schulungen beinhaltet.

Seit Ende April 2010 ist für Unternehmen, die den Status „Bekannter Versender“ tragen wollen, die behördliche Zulassung Pflicht.

Am 28. April 2013 endet dann die dreijährige Übergangszeit für die herkömmliche Anerkennung, für die ein Versender dem Reglementierten Beauftragten lediglich eine formlose Sicherheitserklärung übergeben musste.

Den Status als Bekannter Versender kann jedes Unternehmen erwerben, das Ware produziert und (per Luftfracht) exportiert bzw. versendet.

Den Status vergibt das Luftfahrt-Bundesamt (LBA). Die Zulassung durch das LBA erfordert die Einreichung eines Sicherheits­programms.

Validieren lassen durch das Luftfahrt-Bundesamt

Exportierende Unternehmen müssen sich validieren lassen und vom Luftfahrt-Bundesamt den neuen Status des "behördlich anerkannten Bekannten Versenders" erhalten. Diese Validierung beinhaltet diverse Anträge, Prüfungen und Schulungen und dauert ca. drei bis zwölf Monate – bei dem erwarteten Ansturm zum Stichtag 28. April 2013 womöglich auch länger. Wer sich bis jetzt noch nicht mit der Zertifizierung befasst hat, wird sie bis dahin vermutlich nicht mehr erwerben können.

Was ist ein "Reglementierter Beauftragter"?

Damit bezeichnet man den Status, den Luftfracht­unternehmen, Speditionen, etc. beantragen können, um eine einfachere Abwicklung ihrer Fracht am Flughafen zu erreichen.

Die Bezeichnung und Vorgaben beruhen auf der EU-Verordnung (EG) Nr. 300/2008 sowie dem deutschen Luftsicherheitsgesetz (LuftSiG).

Folgen fehlender Zertifizierung

Ist ein Unternehmen ab 28. April 2013 nicht validiert, muss die jeweilige Luftfracht von einem dafür geeigneten Dienstleiter gesondert geprüft, geröntgt und freigegeben werden, bevor sie in ein Luftfahrzeug verladen werden darf. Somit entsteht für den Versender neben erhöhten Frachtkosten das Risiko von Lieferverzögerungen.

Unternehmen, die die Zertifizierung wegen des zeitlichen und administrativen Aufwands und der damit verbundenen Kosten scheuen (oder nicht mehr schaffen), müssen ihre Fracht von einem Reglementierten Beauftragten prüfen lassen. Das kann für Unternehmen, die nicht regelmäßig Waren per Luftfracht versenden tatsächlich interessant sein statt sich als Bekannter Versender zu zertifizieren.

Die sichere Lieferkette

Der Bekannte Versender steht am Anfang der sicheren Lieferkette. Das Unternehmen muss gewährleisten, dass seine Ware, die als Luftfracht vorgesehen ist, in seinem Betrieb ausreichend vor unbefugtem Zugriff und Manipulationen geschützt ist und keine gefährlichen Stoffe beinhaltet.

Das Unternehmen muss, um sich zu zertifizieren, einen Sicherheitsbeauftragten und seinen Stellvertreter bennen. Beide müssen die Zuverlässigkeitsprüfung nach § 7 Luftsicherheitsgesetz bestehen, geschult werden und ein Befähigungszeugnis erwerben. Das Gleiche gilt für Unter­auftragnehmer. Das sind dem Betrieb zuarbeitende Speditionen, Frachtführer, kommissionierende Dienstleister, Hausmeister und Reinigungsunternehmen.

Der Hersteller bürgt somit für seine Luftfracht. Der Status spart Unternehmen viel Zeit und Geld, da ihre Ware vor der Abfertigung als Luftfracht nicht mehr kontrolliert werden muss.

Ein Blick auf die aktuelle Situation erklärt, warum Luftfrachtexperten betroffenen Unternehmen so eindringlich raten, sich umgehend vom Luftfahrt-Bundesamt als Bekannter Versender zertifizieren zu lassen.

Wer sich bisher keine Zeit für die Zertifizierung genommen hat, wird umso mehr Zeit und Geld ab dem 28. April 2013 für die Überprüfung seiner Luftfracht einplanen müssen. Denn ab diesem Tag gelten alle Unternehmen, die nicht behördlich anerkannt sind, als unbekannte Versender.